Freunde

Zum engen Freundeskreis Steinhausens gehörten die Maler Hans Thoma, Wilhelm Trübner, Louis Eysen und Johann Heinrich Hoff. Auch die zahlreichen, oft gezeichneten, Porträts anderer Maler sowie ihre Skizzen in den so genannten Töchteralben können Auskunft über Steinhausens Verbindungen mit Künstlern geben. Bei den Töchteralben handelt es sich um Skizzenbücher, in die Maler, die mit Steinhausen befreundet waren, für seine Töchter Marie-Henriette, Rose und Ida-Luise kleine Zeichnungen mit Widmungen eintrugen.

Freundschaftlich verbunden waren ihm weiterhin die Mäzenin Rose Livingston, deren Gouvernante Minna Noll, der Pfarrer Friedrich Naumann oder auch der Pfarrer Philipp Jakob Collischonn.

Rose Livingston (1860–1914)

Rose Livingston, Steinhausen-Stiftung, Frankfurt am Main

Rose Livingston, Steinhausen-Stiftung, Frankfurt am Main

Rose Livingston, Taufpatin von Steinhausens Tochter Rose, war die Tochter eines aus Walsdorf bei Camberg gebürtigen Deutschamerikaners jüdischen Glaubens. Die Familie kehrte 1866 nach Deutschland zurück und ließ sich 1870 in Frankfurt am Main nieder. Rose Livingston konvertierte 1891 in der Paulskirche zum protestantischen Glauben; ihr Taufvater war der ebenfalls mit Steinhausen gut bekannte Pfarrer Philipp Jakob Collischonn. Rose Livingston gehörte zu den Mäzenen Steinhausens, sie bezahlte die Ausmalung der Lukaskirche und erwarb ca. 30 Gemälde des Malers. Darüber hinaus setzte sie sich in Frankfurt auch als Förderin des Vereins für Volkskindergärten ein.


Minna Noll (1845–1909)

Minna Noll mit Rose Livingston, Steinhausen-Stiftung, Frankfurt am Main

Minna Noll mit Rose Livingston, Steinhausen-Stiftung, Frankfurt am Main

Die Taufpatin Luise Steinhausens war die Erzieherin von Rose Livingston und ebenfalls mit der Steinhausen-Familie eng verbunden. Ihr Name ist im Frankfurter Gedächtnis insofern erhalten geblieben, als Rose Livingston 1909 das „Nellinistift“ (Cronstettenstraße 57, Frankfurt am Main) stiftete und ihm nach dem Kosenamen ihrer Gouvernante, Nelli, seinen Namen gab. Bedürftige, allein stehende Frauen können hier ihren Altersruhesitz verbringen; auch Rose Steinhausen lebte hier von 1980 bis zu ihrem Tod 1983.


Philipp Jakob Collischonn (1824–1903)

Wilhelm Steinhausen, Philipp Jakob Collischonn, 108 x 85 cm, Privatbesitz

Wilhelm Steinhausen, Philipp Jakob Collischonn, 108 x 85 cm, Privatbesitz

Collischonn arbeitete als Pfarrer an der Frankfurter Paulskirche. Zusammen mit den Pfarrern Hermann Blaul (1850–1889, Christuskirche, Frankfurt am Main) und Johannes Deggau (1850–1932, Pfarrer in Langsdorf, später Leiter des Darmstädter Elisabethenstifts) gehörte er zu dem Kreis von evangelischen Pfarrern, die den tief religiösen Steinhausen beeindruckten. Rose Livingston, die von Collischonn getauft worden war, veranlasste, dass seine Predigten gedruckt erschienen. Sein Sohn Adolph wurde Pate von Steinhausens Sohn Wilhelm.


Friedrich Naumann (1860–1919)

Friedrich Naumann, Sozialpolitiker und Pfarrer, gehörte zu den so genannten „Jungen“ Christlich Sozialen, die die evangelische Kirche an ihre Fürsorgepflicht für das Proletariat erinnern wollten. Er erhoffte sich hierin die Unterstützung vom „Zentralausschuss für die innere Mission“, in deren Dienst er von 1890 bis 1897 stand. Naumann gründete 1891 den Evangelischen Arbeiterverein, förderte 1910 die Vereinigung der linksliberalen Gruppen zur Fortschrittlichen Volkspartei und war 1907 Mitbegründer des Werkbundes und 1918 der Deutschen Demokratischen Partei.

Sein christlich-soziales Empfinden trug er auch in die Frankfurter Gemeinde der Inneren Mission, die er von 1890 bis 1895 als Pfarrer betreute. Er besaß in Frankfurt eine viel beachtete Stellung und scharte um sich eine Art von Personalgemeinde, zu der auch Steinhausen und Thoma gehörten. Steinhausen konnte ihn bereits früher kennen gelernt haben, da Naumann von 1883–1885 am „Rauhen Haus“ in Hamburg wirkte, für das Steinhausen 1885 das Gemälde „Die Selbstoffenbarung Jesu vor seinen ersten fünf Jüngern“ (zerstört) schuf.

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